Aktuelles

14.08.2014
Gut angelegtes Geld
Detmolder AGA präsentiert Studie zu Integrationsbetrieben

Die Entwicklung der Integrationsunternehmen im Kreis Lippe ist eine beeindruckende Erfolgsgeschichte. So das Resümee einer im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Arbeit e.V., Detmold, erstellten Studie. Dessen ungeachtet, so die Autoren Dr. Wolfgang Sieber und Danielle Kowert (Netzwerk Lippe gGmbH) bei der gestrigen Präsentation der Ergebnisse, stellt die Integration von Menschen mit Behinderung in den ersten Arbeitsmarkt noch immer eine große Herausforderung dar. 

 

 

Foto: Dr. Lucas Heumann (re.), Vorsitzender AGA e.V., führte als Auftraggeber durch die Präsentation der Studie und das Pressegespräch. Links neben ihm Gastgeber Thomas Jeckel von der Netzwerk Lippe gGmbH, im Hintergrund Bereichsleiter Dr. Wolfgang Sieber.

Der Kreis Lippe zeichnet sich im deutschlandweiten Vergleich durch ein weit überdurchschnittliches Engagement hinsichtlich der Gründung und dem Betrieb von Integrationsunternehmen aus. Statt der statistisch bundesdurchschnittlich drei Unternehmen arbeiten rund um Detmold sieben Integrationsfirmen mit dem Schwerpunkt Re-Integration schwer behinderter Mitbürger in den ersten Arbeitsmarkt.

 

Integrationsbetriebe wirtschaftlich erfolgreich

 

Der Stolz der Lipper Integrationsbetriebe ist verständlich, denn im Unterschied zu den zahlenmäßig überlegenen Behindertenwerkstätten gelingt der Wiedereinstieg in ein geregeltes Beschäftigungsverhältnis immer mehr vormaligen Betriebsangehörigen. Und noch etwas zeichnet den Erfolg der Integrationsbetriebe aus: Sie sind wirtschaftlich erfolgreich – trotz erheblichem Wettbewerb, trotz Entlohnung der Mitarbeiter nach Branchentarif, trotz Verzicht auf befristete Beschäftigungsverhältnisse.

 

Michael Schneider vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) nutzte als Gast der Präsentation diese Steilvorlage aus der Studie zu der klaren Feststellung, dass jeder Arbeitsplatz nach SGB IX in Integrationsbetrieben sehr gut investiertes Geld für die Gesellschaft sei. So koste jeder Arbeitsplatz im Verantwortungsbereich des LWL in Integrationsunternehmen rund 5.600 EUR pro Jahr (Nachteilsausgleich). 

 

Dem Wettbewerb ohne Wenn und Aber gestellt

 

Nahezu gigantisch sehen im Vergleich dazu die Werte für Behindertenwerkstätten mit 14.500 EUR aus, von Aufwendungen der Gemeinschaft im Fall von Leistungsempfängern nach SGB II oder Hartz 4 ganz zu schweigen. Wichtigste Ursache ist, dass alle Integrationsfirmen des Kreises Lippe zusätzliche Erlöse am Markt durch wirtschaftliche Betätigung generieren.

 

An dieser Stelle kam das hartnäckige Fehlurteil zur Sprache, Integrationsunternehmen würden der „freien“ Wirtschaft Aufträge durch Billigangebote entziehen. In Wirklichkeit jedoch ist keine ausschließlich im ersten Arbeitsmarkt aktive Körperschaft – ob privat oder öffentlich – in der Lage, schwer behinderten Mitbürgern betreute und geeignete Arbeitsplätze für täglich drei bis maximal fünf Stunden zur Verfügung zu stellen. Dies ist die Alleinstellung von Integrationsbetrieben und – wie gesagt – noch dazu mit tarifgebundener Vergütung.

 

Die Herausforderungen werden nicht weniger

 

Die von der AGA beauftragte Studie ist ein erster Schritt und analysiert die derzeitige Situation im Kreis. In nächsten Untersuchungen sind zukunftsfähige Handlungsfelder für die Integrationsunternehmen des Kreises und sinnvolle Synergieeffekte herauszuarbeiten. So kann die Vernetzung der Betriebe verbessert werden – weitere Chancen bieten sich durch höhere Diversifizierung. 

 

Dr. Lucas Heumann dankte als Vorsitzender des AGA e.V. den Autoren für ihre Arbeit und mahnte abschließend die nächste anstehende Herausforderung an: Die Integration psychisch schwer behinderter Mitbürger höheren und hohen Alters in das gesellschaftliche Leben.

 

 

Foto: Die Referenten und Autoren der Studie "Integrationsunternehmen im Kreis Lippe - eine Bestandsaufnahme" Danielle Kowert (li.) und Dr. Wolfgang Sieber (re.) vom Netzwerk Lippe.

 

 

Foto: Zufriedene Gesichter von Veranstalter und Gästen nach der Präsentation der AGA-Studie: Integrationsbetriebe in Lippe sind erfolgreich, zukunftsfähig und nehmen ihre Aufgaben überdurchschnittlich gut wahr.

 
 

« zurück